Löwen müssen gejagt werden

CIC-Präsident Bernard Lozé: „Ein Verbot der Löwenjagd gefährdet das Überleben der Löwen in der Natur!“

Der aktuelle Vorstoß einer Reihe europäischer und amerikanischer Tierschutzgruppen für ein Verbot der selektiven und nachhaltigen Löwenjagd hat einen nachteiligen Effekt auf das Überleben dieser wunderbaren Großkatze in der Natur.

Im globalen Maßstab hat die Population des Löwen in den letzten Jahren abgenommen. Allerdings sind einige Populationen auf lokaler Ebene in einem guten Zustand geblieben. Dieser Rückgang betrifft auch zahlreiche Nationalparks. Die Hauptgründe sind Verluste an Lebensraum, Konkurrenz mit landwirtschaftlichen Viehbeständen, Tötungen durch Viehhalter als Reaktion auf gerissene Tiere und das Fehlen einer angemessenen Wildtierbewirtschaftung durch Behörden, wozu auch Maßnahmen gegen Wilderei gehören. Es muss hervorgehoben werden, dass es den Löwen in einer Reihe ausgewiesener Jagdgebiete deutlich besser erging. Denn dort wird der Bewirtschaftung der Löwen mehr Aufmerksamkeit geschenkt, und die Erträge aus der Löwenjagd wurden effektiv für den Naturschutz eingesetzt.

 

Die Länder und Gebiete mit dem niedrigsten Naturschutzstatus für Löwen scheinen genau diejenigen zu sein, in denen es keine Jagd gibt! Zwei Beispiele:

 

- Kenia hat den größten Teil seiner Löwenpopulation verloren, seit 1977 die Jagd verboten wurde. Weniger als 2.000 Tiere sind heute übrig geblieben. Im Kontrast dazu hat Tansania stets die Jagd erlaubt. Heute verfügt es mit mehr als 15.000 wild lebenden Löwen über die größte Population. Die Vertragspartner an dem Übereinkommen über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten frei lebender Tiere und Pflanzen (CITES) müssen anerkennen und verbreiten, dass das Modell des Löwenschutzes von Tansania mit einer nachhaltigen Jagd einer der tragenden Pfeiler des Löwenmanagements ist.

- In der im äußersten Norden gelegenen Provinz von Kamerun steht die Löwenpopulation im Waza-Nationalpark kurz vor ihrer Ausrottung, obwohl es seit Jahrzehnten in der gesamten Pufferzone und dem Umland keine Jagd gegeben hat. In der nördlichen Provinz, also weit südlich vom Waza-Nationalpark, ist die Löwenpopulation in dem gesamten Gebiet erhalten geblieben. Dies gilt insbesondere für die drei Nationalparks, die vollständig umzäunt sind und durch Jagdgebiete geschützt werden. Sie fungieren (i) als Pufferzone gegen die Landwirtschaft und das Eindringen von Hirten sowie (ii) als ökologische Korridore, welche die Nationalparks miteinander verbinden.

 

An keiner Stelle ist die legale Löwenjagd der Grund dafür gewesen, dass Löwenpopulationen ausgelöscht wurden. Es gibt in allen Arealstaaten mit Löwen zahlreiche praktische Probleme im Bereich des Naturschutzes und der Verwaltung, die gelöst werden müssen. Alle an dem Überleben des Löwen interessierten Parteien müssen zusammenarbeiten und sich um die besten Managementverfahren bemühen, anstatt ideologische Kämpfe gegen die nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen zu führen. Diese ist einer der tragenden Pfeiler der Biodiversitätskonvention (CBD).

 

Es ist symptomatisch, dass die Tierschutzorganisationen sich bestimmten Verwaltungen für wild lebende Tiere aus einigen afrikanischen Staaten anschließen, in denen es keine Löwenjagd gibt. Gleichzeitig haben diese Staaten aber eine besonders schlechte Bilanz bei dem Schutz des Löwen. Das Gleiche passierte beim Elefanten. Der Versuch, die Löwen auf der nächsten CITES-Vertragsstaatenkonferenz in den Anhang I aufzunehmen, entspricht nicht den wissenschaftlichen Kriterien von CITES für die Aufnahme in die Liste. Das Ziel besteht vielmehr darin, die Löwenjagd zu unterbinden. Dies allerdings würde den Schutz des Löwen in den Staaten, die über erhebliche Löwenpopulationen verfügen, schweren Schaden zufügen. Eine Aufnahme in Anhang I würde kein prinzipielles Jagdverbot darstellen. Allerdings besteht das Risiko, dass ein Importverbot für Löwentrophäen verhängt würde, und dies zieht den Verlust von Einnahmen aus der Jagd nach sich. Die schnelle Vermehrung von Löwen und deren Jagd ist (1) ein wertvolles Instrument zur nachhaltigen Nutzung ihres natürlichen Lebensraums und verhindert (2), dass diese Wildgebiete in intensiv genutzte Landwirtschaftsflächen und in Bergbau überführt werden. Damit werden sie ihrer Biodiversität und weiterer Ökosystemleistungen beraubt. Gut kontrollierte und gemanagte Jagd führt zu sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Vorteilen für den Löwenschutz. Daraus entstehen für die Gemeinschaften Anreize zum Schutz des Löwen. Politiker erhalten eine angemessene Rechtfertigung dafür, Ansprüchen auf naturbelassene Flächen zu widerstehen oder große Naturgebiete für die Biodiversität und Ökosystemleistungen zu reservieren.

 

Die Toleranz der lokalen Gemeinschaften gegenüber diesen großen Fleischfressern, die oft für die Tötung von Menschen und das Reißen von Vieh verantwortlich sind, ist unabdingbar für das Überleben des Löwen in der freien Natur. Der Einsatz von Chemikalien zur Vergiftung von Löwen nimmt zu. Die Zahl von Tötungen als Vergeltungsmaßnahme ist weitaus höher, als bekannt gegeben wird. Wenn die ländlichen Gemeinschaften keinen Nutzen in dieser Ressource erkennen, werden sie sie auslöschen. Niemand kann sie davon abhalten; schon gar nicht unterfinanzierte Naturschutzbehörden. Das Zusammenleben mit dem Löwen kostet die ländliche Bevölkerung etwas – warum sollten sie daraus keinen Nutzen ziehen? Aus diesem Grund fordert der CIC nicht nur die nationalen Regierungen auf, die örtlichen Lebensgrundlagen durch die nachhaltige Nutzung von Arten zu erhalten und zu verbessern, sondern fordert auch CITES auf, künftig die ländlichen Lebensgrundlagen zu bedenken und Armut durch die nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen zu bekämpfen. Eine strategische Zusammenarbeit zwischen CITES und der CBD wäre hilfreich bei der Bewältigung dieses Konflikts zwischen Armut und Biodiversität.

 

Es ist beschämend, dass Tierschützer aus Industrieländern und relativ wohlhabenden Ländern danach streben, arme lokale Gemeinschaften in afrikanischen Ländern um ihren Nutzen zu bringen, den sie aus Löwen und anderen wild auf ihrem Land lebenden Tieren ziehen können.

 

Es ist bedauerlich, aber typisch, dass einige Tierschutzaktivisten bei ihrem Kampf gegen die nachhaltige Jagd Zuflucht zu einem zweifelhaften Umgang mit Literatur und einer Fehlinterpretation wissenschaftlicher Publikation nehmen. Eine bestimmte Organisation aus dem VK, die einen prononzierten Tierschutzstandpunkt vertritt, hat sich in dem Bemühen an britische und europäische Parlamentsabgeordnete gewandt, diese davon zu überzeugen, dass sie sich für ein Verbot der Einfuhr legaler Löwentrophäen in die EU einsetzen.

 

Diese Organisation macht in ihrem Blog geltend, dass mehrere Publikationen, an denen ein Mitglied des CIC als Mitverfasser beteiligt war und die eine kritische Analyse von Korruptionsfällen sowie der Notwendigkeit einer Verbesserung des Jagdmanagements darstellen, die Schlussfolgerung zulassen, dass die Jagd pe se schädlich für den guten Zustand der Population wild lebender Tiere ist. Die Verfasser gelangen indes zu der genau entgegengesetzten Folgerung, dass nämlich bei praktischen Mängeln die Lösung in einer Reform des Jagdwesens besteht. Jagdverbote führen lediglich zu einer weiteren Verschlechterung der Situation. In einer der erwähnten Publikationen führen die Autoren explizit aus, dass „ohne die Einnahmen aus dem Jagdtourismus viele wichtige Naturgebiete nicht länger bestehen könnten.“ Das ist das genaue Gegenteil von dem, was der Blog behauptet.

 

Der CIC widmet sich der nachhaltigen Jagd im Einklang mit der CBD. Eine derartige Jagd

- ist ein wirksames Mittel, um sicherzustellen, dass große Landflächen unter Naturschutz gestellt bleiben, und dass dies auch trotz der Konkurrenz mit Landnutzungen geschieht, die nachteilige Umwelteinflüsse haben;

- hat wild lebende Tiere geschützt, und dies sogar in den Fällen, wenn das Jagdmanagement einmal der Reform bedurfte und die Jagdpraktiken verbessert werden mussten.

 

Der CIC setzt sich für eine kritische Analyse und Debatte der nachhaltigen Jagd ein, um die besten Verfahren einzuführen und beizubehalten. Der CIC würde sich freuen zu sehen, wenn Tierschutzorganisationen dieselbe Bereitschaft zu einer kritischen Analyse der Ergebnisse ihrer Schutzkampagnen zeigen würden, welche in einer Mehrzahl der Fälle negative Ergebnisse für den Naturschutz und wild lebende Tiere hatten.

 

Der CIC hat auf seiner 59. Generalversammlung in Kapstadt seine Debatte über die besten Verfahren der Jagd fortgesetzt und erörtert, wie nachhaltige Jagd im Einklang mit den Prinzipien der CBD zu einem Überleben der einmaligen Tier- und Pflanzenwelt von Afrika beitragen kann.